Die Publikationen sind für jeden Wissenschaftler und jede Wissenschaftlerin mit Ambitionen auf Karriere in der Forschungslandschaft und auf Förderung aus öffentlichen Geldtöpfen das Wichtigste überhaupt. Wer nicht publiziert ist wissenschaftlich so gut wie tot. (o.k. in den Ingenieurwissenschaften kann das anders sein.) Ganze Institute werden daran gemessen wie viel und wie gut die zugehörigen Wissenschaftler publizieren und wie hoch ihr Hirsch-Index ist. Publikationen gehören genau wie eingeworbene Drittmittel zu den zählbaren Erfolgen in der Forschung, die bei jeder Evaluierung abgefragt werden.
Wie findet der aufstrebende Wissenschaftler die richtige Zeitschrift? Zuerst einmal sollte man sich unter den referierten Zeitschriften umsehen. Das sind solche, bei denen eingereichte Manuskripte durch mindestens zwei unabhängige Gutachter anonym geprüft werden. Meist sind referierte Zeitschriften auch indexiert und damit in den im Internet abrufbaren Datenbanken erfasst. Diese Zeitschriften besitzen einen Impact Faktor der ein Maß für den Anteil der in einer Zeitschrift erschienenen Artikel ist, die schnell zitiert werden. Also, wie oft eine Zeitschrift gelesen wird und für wie gut die Artikel von den Lesern befunden werden. Jede Zeitschrift, die stolz auf einen hohen Impact Faktor sein kann, wird an prominenter Stelle auf ihrer Internetseite darauf hinweisen. Nicht referierte Zeitschriften sollte man nicht für die besten Ergebnisse verwenden. Noch weniger Echo kann man von der „graue Literatur“, also Projektberichten, Konferenzbänden oder Dissertationen erwarten, weil diese keine ISBN-Nummer besitzen und/oder nicht indexiert sind. Es ist keine Schande dort zu publizieren – Kleinvieh macht auch Mist – aber man darf nicht erwarten, dass die Artikel dort häufig gelesen oder gar zitiert werden.
Die Sprache in der publiziert wird ist in der Regel englisch. Leider sind die meisten deutschsprachigen Zeitschriften nicht referiert bzw. indexiert, so dass es unter Wissenschaftlern geradezu verpönt ist auf Deutsch zu publizieren („Das liest doch keiner. Kann man nicht lieber ein RICHTIGES Journal nehmen?“). Das ist zwar schade aber ein Opfer an die internationale Wissenschaft. Daneben gibt es noch Paralleluniversen in Russisch und Chinesisch, die kaum Berührungspunkte mit der englischsprachigen Welt haben.
Dann muss natürlich das Thema des Artikels zum Spektrum der Zeitschrift passen. Ein theoretisches Thema passt nicht in eine Zeitschrift, die nur experimentelle Ergebnisse publiziert. Auch diese „scopes“ findet man auf den Internetseiten der Zeitschrift. Ein guter Hinweis sind andere Arbeiten zum selben Thema. Meist sind in der eigenen Liste zitierter Literatur schon viele passende Zeitschriften zu finden.
Wer noch nicht auf eine lange Liste an gut platzierten Publikationen zurückblicken kann, sollte vielleicht erst einmal klein anfangen und nicht gleich das Top-Journal seines Fachbereichs wählen …. andereseits siegt oft die Frechheit und vielleicht sind Sie ja talentierter als Sie glauben. Trotzdem bleiben für die meisten eine Publikation in Nature oder Cell ein Traum. Mein bisher leider noch unerreichtes Ziel ist eine Publikation im Journal of Irreproducible Results.
Weitere Beiträge in dieser Serie:
Publizieren in der Wissenschaft – Die Zeitschrift
Publizieren in der Wissenschaft – Die Koautoren


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Pingback von #17 Das pervertierte Publikationssystem des Wissenschaftsbetriebs | atheist raskalnikow — 31. Dezember 2011 @ 12:05 |
[...] In der Biologie und Chemie reicht es in der Regel nicht aus, sich im stillen Kämmerlein Gedanken zu machen und diese zu Papier zu bringen, um als Forscher zu gelten. Biologen und Chemiker arbeiten in Gummistiefeln im Feld oder im Kittel im Labor, nehmen Proben und produzieren Monate oder Jahre lang neue Daten, ziehen daraus schlaue Schlüsse und publizieren diese in peer-rewiewten Journals. [...]
Pingback von Forschen ohne Geld? | Dr. Ulrike Kammann — 27. Mai 2011 @ 08:55 |
[...] Weitere Tipps zur erfolgreichen Publikation finden sich hier. [...]
Pingback von Wie wird meine Arbeit häufig zitiert? « Dr. Ulrike Kammann — 19. März 2011 @ 10:32 |
Das “Journal of Irreproducible Results”… Ich lach mich kaputt
Kommentar von raskalnikow — 29. September 2010 @ 11:23 |
Das sind ja beeindruckende Fakten, die man erstmal verdauen muss..
Vielleicht sollte man hier mal ein nachvollziehbares Beispiel
eines bekannten Wissenschaftlers anhängen.
Kommentar von kondukteur — 15. März 2009 @ 23:50 |