Publizieren in der Wissenschaft – das Zitierkartell

SonderdruckeJede/r aufstrebende Wissenschaftler/in weiß, dass er/sie publizieren muss. „Publish or perish“ heißt es nicht umsonst. Frei übersetzt „Wer schreibt, der bleibt“. Publizieren und das Zitiertwerden gehören  zur wissenschaftlichen Karriere und eben dieses, nämlich zitieren, tut man, wenn man die Literaturliste der ersten eigenen Publikation füllt. Sicher sollte man auch einige inhaltlich wichtige Arbeiten und ein aktuelles Review aus dem Themengebiet zitieren. Dass es wichtig ist die eigenen Arbeiten ausführlich zu zitieren haben wir schon gelernt.

Aber es gibt noch mehr zu beachten: Die Zeitschrift, bei der man den Artikel einreicht, legt Wert auf ihren Impact-Faktor. Der wächst mit der Zahl von „schnellen“ Zitaten aus der Zeitschrift. Man sollte also, immer ein paar in den letzten beiden Jahren in der Zeitschrift erschienen Artikel zitieren. Das freut den Herausgeber und den Editor. Und von deren Meinung hängt schließlich die Publikation des eigenen Manuskripts ab.
Es ist üblich mit dem Einreichen des Manuskripts Gutachter vorzuschlagen, die dann anonym Ihre Meinung zu dem Manuskript abgeben (peer review). Der Editor könnte auch andere Gutachter fragen, meistens tut er das aber nicht. Die Gutachter lesen natürlich zuerst die Literaturliste und gucken, ob ihre eigenen bahnbrechenden Arbeiten darin vorkommen. Wenn man Glück hat lesen die Gutachter nicht viel mehr als die Autoren- und Literaturliste und machen dann ein paar freundliche Kreuze in ein online-Formular.

Es empfiehlt sich Gutachter aus dem eigenen Zitierkartell zu wählen. Ein Zitierkartell funktioniert nach dem Prinzip „zitierst du mich, zitiere ich dich“. Das sind ehemalige Koautoren, Kollegen oder Kumpels, die man auf der letzten Konferenz am Buffet kennen gelernt hat. Alle gemeinsamen Arbeiten sind selbstredend Teil der Literaturliste. Es eignen sich ebenso Betreuer von Studenten, deren mäßiges Erstlingswerk man kurz zuvor selbst wohlwollend begutachtet hat. Ausländische Gutachter (vorzugsweise aus Asien oder Amerika) machen sich immer gut und suggerieren international anerkannte Spitzenforschung im eigenen Manuskript. Es gibt genug ehemalige Kollegen, die jetzt im Ausland Karriere gemacht haben, um den endlosen Befristungen der Verträge in Deutschland zu entgehen.

Wer alle diese Regeln beachtet hat sollte am Ende prüfen, ober nicht eine kritische Grenze von Eigenzitaten (>50%?) überschritten hat. Wir wollen ja zeigen, dass wir nicht nur schreiben, sondern auch lesen können – selbst wenn es in diesem Fall die Werke der Konkurrenz sind.

Weitere Beiträge in dieser Serie:

Publizieren in der Wissenschaft – Die Zeitschrift

Publizieren in der Wissenschaft – Die Koautoren

Publizieren in der Wisenschaft – das Zitierkartell

Der Hirsch-Index

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Ein Gedanke zu „Publizieren in der Wissenschaft – das Zitierkartell

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