Acetonitril-Verknappung

Auswirkung der Weltwirtschaftskrise im Labor

19.02.2009: Ganz überrascht stellte ich um Weihnachten herum fest,  dass mein LieblingslösungsmittelFlasche leer Acetonitril in Deutschland nicht mehr lieferbar war. Dieser Lieferengpass hat sich in den vergangenen Wochen leider nicht wieder entspannt. Statt dessen weisen die Lieferanten im Internet darauf hin, dass es weltweit auch mittelfristig kein Acetonitril geben wird.

Wie kann das sein? Acetonitril wird als Abfallprodukt bei der Acrylnitril-Herstellung gewonnen. Acrylnitril ist ein Ausgangsprodukt für Textilfasern und für die Kunststoffindustrie. Die wiederum leidet zusammen mit der Automobilindustrie unter den Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise.

Zum Glück habe ich noch ein paar Flaschen Acetonitril im Schrank. Vielleicht sollte ich die für 1000€ den Liter bei ebay anbieten?

11.3.2009: Gerade habe ich mit einem großen Chemikalienhändler telefoniert. Es gibt immer noch kein Acetonitril, obwohl die Firma auf ihren Internetseiten die Produkte mit (altem) Preis anbietet.

13.10.2009: Wie ich aus gut unterrichteten Chemikerinnen Kreisen erfahren habe, besteht nun keine Acetonitril Verknappung mehr, sondern man kann sich neuerdings recht preisgünstig mit dem Zeug bevorraten.

5.11.2009: Acetonitril ist wieder auf dem Markt und wird von einschlägigen Händlern zum Aktionspreis angeboten. Begleitet wird das Angebot von dem dezenten Hinweis, dass die Preisentwicklung des Lösungsmittels nur schwer vorhersehbar ist. Sollen wir etwa hamstern? Eine 2,5 L Flasche mit guter HPLC-Qualität ist jetzt schon für ca. 40 € zu haben. Das ist deutlich  billiger als vor der Krise. Im letzten Jahr kostetet dasselbe Produkt ca. 70 € . Tja, es sind scheinbar inzwischen viele Anwender auf Alternativen ausgewichen und damit so glücklich, dass sie gar kein Acetonitril mehr wollen. Ich werde die Preisentwicklung weiter beobachten.

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Ein Gedanke zu „Acetonitril-Verknappung

  1. Ich sollte mal ausrechnen wieviel Batterien man mit einem Schnapsglasvoll Acetonitril kaufen kann.
    Schnapsglas = 20 – 40ml macht also 1000 Euro / 50 – 25 Portionen pro Liter = 20 – 40 Euro.
    Bei einem derzeitigen Batteriepreis von ca 50 Cent pro Stück käme man also locker auf 40 – 80 Stück
    und könnte damit ein komplettes Institut über mehrere Jahre mit allen notwendigen und nicht notwendigen Batterien versorgen.

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