Punk Rock ohne Musik

Was könnte man bei Punk Rock denken? Natürlich an Musik. Die seit den Sex Pistols, Hazel o Connor und vieler anderer seit Ende der 70er Anfang der 80er und bis heute immer laut und mit vollem Einsatz runtergeschrummelt wird.
Das ist natürlich ein langer Zeitraum und ehemalige Punkies sind mittlerweile schon arivierte 50plus und einige von ihnen sicher auch Drehbuchautoren oder haben sich
sonstwo im Kulturestablishment breit gemacht.

Nichtsdestotrotz des obigen Geplänkels, gibt es derzeit in Hamburg am Schauspielhaus ein Theaterstück das genau so heisst: Punk Rock.
Nichtsahnend geht man rein, wundert sich zwar oder freut sich über das ziemlich jugendliche Publikum und hofft auf ein Jugendkulturtheaterstück mit geiler Musik.

Pustekuchen – Amoklauf. Keine einziger Ton entfleucht gesungen oder unplugged gespielt den Schauspielhänden und -kehlen. Sie spielen Tischtennis! Das war enttäuschend, deswegen zitiere ich mal ausnahmsweise ein wenig aus dem Spiegel:

Sind Amokläufe auf der Bühne, etwa wegen ihres „dramatischen Potentials“, ein Selbstläufer? Nein, sind sie nicht.
„Punk Rock“ ist gut gemeintes Pädagogentheater, das sich vielleicht als Diskussionsgrundlage für Gemeinschaftskunde-Kurse eignet, aber nicht für den großen Saal in Deutschlands größtem Sprechtheater.
Zu erwartbar ist die Handlung, zu klischeehaft sind die Figuren, sowohl auf dem Papier als auch auf der Bühne. …..

Leider ist diese Einschätzung, die so auch ganz spontan nach dem Stück von meiner Begleitung kam und gar nicht besser formuliert werden kann womöglich ganz zutreffend.
Ich selber fand eigentlich die schauspielerische Leistung der Akteure sehr gut, trotz des Stückes und man tut ihnen ja ein wenig unrecht, nur weil das Stück mit
pädagogisch erhobenem Zeigefinger daherkommt, wenn man diese nicht würdigen würde.

Mir selber hat vor allem was ganz anderes ziemlich aufgestossen, dass nämlich ein Psycho letztlich den Amok laufen musste und man fragt sich „Muss das sein?“, „muss es so einfach sein?“
und stigmatisiert man nicht hier Krankheiten, während doch der Normale als Verbrecher das Grauen und das Unbehagliche in die Mitte der Gesellschaft bring und uns Erschaudern lässt.
Der dazuhin ziemlich überflüssige Schluss, es wird angedeutet, dass ein psychologisches Gutachten erstellt wird und ein nicht vorhandener Gutachter an den Protagonisten einschlägige „freudsche-sexualisierte“ Fragen stellt, war leider die pädagogische Krönung.


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Ein Gedanke zu „Punk Rock ohne Musik

  1. Die Musik hat sicher auch den zahlreichen jugendlichen Besuchern gefehlt, die mit ihren Gemeinschaftskundelehrern im Schauspielhaus aufgelaufen sind. Aber immerhin ist die Balkonloge eine schöne Fotoposition. Tischtennis wurde übrigens vor Beginn des Stücks auf der Bühne gespielt.

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